Mindmachines - audiovisuelle Stimulation
Mit diesem Beitrag möchte ich eine noch relativ unbekannte Methode
zur Induktion verschiedenster geistiger, insbesondere auch
traumähnlicher Zustände vorstellen. Das Prinzip ist sehr einfach und
basiert auf der Stimulation des zentralen Nervensystems durch Licht-
und Klangsignale. Audiovisuelle Stimulationssysteme - auch bekannt
unter dem Begriff "Mind-Machines" - ermöglichen eine Vielzahl von
Anwendungen wie zum Beispiel die Förderung von Entspannung,
Konzentration, Auffassungsgabe, Gedächtnisleistung, Vitalität,
Wohlbefinden, Kreativität, Imagination, Meditation, Trance, Schlaf, usw.
Insbesondere
eröffnen sich hierdurch neue Möglichkeiten für geistige Übungen wie
Meditation, Mentaltraining, Persönlichkeitsentwicklung und kreatives
Problemlösen, da die audiovisuelle Stimulation (AVS) auf spezifischen
Frequenzen eine erhöhte Luzidität inneren Erlebens bewirkt und auf
diese Weise einen direkteren Zugang zum eigenen Unterbewusstsein
ermöglicht.
Einführung: Die elektromagnetische Gehirnaktivität und deren Darstellung im EEG
Für
das Verständnis der audiovisuellen Stimulation ist ein grundlegendes
Hintergrundwissen über die Funktionsweise unseres Gehirns unter der
Perspektive der elektromagnetischen Gehirnwellen essentiell:
Das
menschliche Gehirn besteht aus Abermilliarden Nervenzellen (Neuronen),
welche wiederum von Abermilliarden Gliazellen unterstützt und versorgt
werden. Jede einzelne Nervenzelle ist durch tausende Verästelungen über
Synapsen mit anderen Nervenzellen verbunden. In der Gesamtheit bilden
diese ein gewaltiges neuronales Netzwerk: unser Gehirn - oder genauer:
das zentrale Nervensystem.
Untereinander und über das gesamte
Zentralnervensystem des Körpers hinweg tauschen die Neuronen
elektrochemische Impulse aus. Jede dieser elektrochemischen Entladungen
erzeugt ein elektromagnetisches Feld mit einer Frequenz zwischen 1 und
40 Hz (Schwingungen pro Sekunde). Die Gesamtheit dieser Signale bildet
die sogenannten Gehirnwellen, welche mittels eines
Elektroenzephalographen gemessen und als Elektroenzephalogramm (EEG)
dargestellt werden können. Man unterscheidet hierbei zwischen vier
wesentlichen Gehirnwellenbereichen:
Beta-Bereich: Dieser
Gehirnwellenbereich umfasst die Frequenzen 14 - 30 Hz und repräsentiert
den wachen, konzentrierten, nach außen gerichteten Bewusstseinszustand,
in welchem der Mensch sich den größten Teil der Zeit zwischen
morgendlichem Aufstehen und abendlichem Zubettgehen befindet. Dieser
Zustand ist gekennzeichnet durch mentale Aktivität und logisches,
analytisches Denken, kann im Extremfall aber auch Unruhe, Sorge,
plötzliche Angst, Anspannung oder Alarmbereitschaft bedeuten. Hohe
Beta-Anteile stehen im Zusammenhang mit einem erhöhtem Ausstoß von
Stresshormonen.
Alpha-Bereich: Dieser Gehirnwellenbereich
umfasst die Frequenzen zwischen 7 und 14 Hz. Kennzeichnend für diesen
Zustand sind wohlige Entspannung, ruhiges, fließendes Denken sowie eine
positive Grundstimmung. Die Aufmerksamkeit ist hierbei nach innen
gerichtet und es geht eine erhöhte Empfänglichkeit für Suggestionen mit
diesem Zustand einher. Aufgrund der Tatsache, dass der Mensch in diesem
Zustand eine große Menge von Informationen verarbeiten kann, ist dies
der bevorzugte Zustand für Superlearning.
Theta-Bereich: Dieser
Bereich umfasst die Frequenzen von 3 - 7 Hz und kennzeichnet den
Zustand, in welchem wir uns üblicherweise während des Traumschlafs
befinden. Es ist ein ruhiger Zustand, der durch ein gesteigertes,
plastisches Erinnerungsvermögen, bildhafte Vorstellung, Phantasie und
Kreativität sowie außergewöhnliches Problemlösen geprägt ist. Dieser
Zustand wird auch durch Tiefenmeditation erreicht.
Delta-Bereich: Dieser
Bereich umfasst die Frequenzen 1 - 3 Hz und tritt normalerweise nur
während des traumlosen Tiefschlafs auf, kann aber auch in
Trance-Zuständen dominieren. Von großer Bedeutung sind diese Wellen für
Heilungsprozesse und die Funktionstüchtigkeit des Immunsystems.
Weiterhin ist noch der Gamma-Bereich zu erwähnen, welcher oberhalb 30 Hz liegt, jedoch bislang kaum erforscht ist.
Verschiedene
Gehirnwellen können in verschiedenen Gehirnarealen gleichzeitig
auftreten. So verändert sich das gesamte Gehirnwellenmuster von Sekunde
zu Sekunde, wobei jedoch stets bestimmte Zustände entsprechend o.a.
Klassifizierung dominieren.
Das menschliche Gehirn besteht ferner aus linker und rechter Gehirnhemisphäre:
Die
rechte Hemisphäre steuert die Funktionen der linken Körperseite,
wohingegen die linke Hemisphäre für die Funktionen der rechten
Körperseite zuständig ist. Das Corpus Callopsum stellt eine Verbindung
der beiden Hemisphären dar und verknüpft die Prozesse zwischen linker
und rechter Hemisphäre. Zwar weisen die beiden Hemisphären eine
oberflächliche Symmetrie auf, unterscheiden sich aber wesentlich in
ihren Funktionen:
Während beim normalen Rechtshänder die linke
Hemisphäre Informationen seriell (d.h. nacheinander) verarbeitet, sich
an Reihenfolgen hält, Einzelheiten registriert, nach den Prinzipien der
Logik arbeitet - Informationen also sequentiell und damit natürlich
auch langsamer verarbeitet, prozessiert die rechte Hemisphäre
Informationen parallel. Sie erfasst komplexe Bilder und verarbeitet
Informationen gleichzeitig. Dadurch kann sie in der gleichen Zeit
wesentlich mehr Informationen verarbeiten als die linke Hemisphäre.
Durch
schulisches Lernen werden fast ausschließlich linkshemisphärische
Fähigkeiten trainiert. Rechtshemisphärische Talente wie Kreativität und
die komplexe Aufnahmefähigkeit werden gleichzeitig begrenzt durch die
alleinige Ausrichtung auf serielles Erfassen von Wissensinhalten. Es
ist erfreulich, dass die moderne Pädagogik sich mittlerweile diesen
Erkenntnissen stellt und nach neuen Methoden sucht, um ganzheitliches
Lernen zu vermitteln, jedoch genügt es nicht, nur rechtshemisphärische
Begabungen aufzubauen und somit das kreative Potential weiter zu
fördern.
Erst die synchrone Zusammenarbeit beider Hemisphären
ermöglicht es, neue geistige Potenziale zu erschließen. Die rechte
Hemisphäre, die parallel, bildhaft, emotional, unkoordiniert und
ungebremst sehr viele Informationen aufnehmen kann, führt erst in
synchroner Zusammenarbeit mit der linken Hemisphäre, die strukturiert,
analysiert, auswählt und kombiniert, zur Fähigkeit der ganzheitlichen
Erfassung und Analyse von Informationen und somit zur Entwicklung einer
übergeordneten Betrachtungsweise von Sachverhalten.
Üblicherweise
befinden sich unsere Hemisphären in einem asynchronen Zustand, d.h. die
elektromagnetischen Gehirnwellen der linken und rechten Hemisphäre
unterscheiden sich in Bezug auf Frequenz, Amplitude, Phase und
Kohärenz. Es ist mittels spezieller Methoden jedoch möglich, den
Zustand der Hemisphärensynchronisation herbeizuführen.
Mit diesem Hintergrundwissen können wir uns nun der audiovisuellen Stimulation zuwenden:
Geschichte der visuellen Stimulation
Seit
der Entdeckung des Feuers weiß die Menschheit, dass flackerndes Licht
eine Wirkung auf die menschliche Psyche hat.. Sowohl antike als auch
moderne Wissenschaftler haben dieses Phänomen beobachtet. Bereits 200
Jahre vor Christus entdeckte der griechische Philosoph und
Wissenschaftler Ptolemäus, dass ein vor die Sonne gehaltenes, sich
drehendes Spinnrad bei einer bestimmten Geschwindigkeit
Bewusstseinsveränderungen beim Betrachter hervorruft, welche sich in
Form visuell wahrgenommener Farben und Muster sowie eines Gefühls der
Benommenheit und Euphorie niederschlagen können.
Zum Ende des
19. Jahrhunderts stellte der französische Psychologe Pierre Janet fest,
dass hysterische Patienten weniger Anfälle hatten und wesentlicher
entspannter wurden, wenn man sie mit flackerndem Licht therapierte.
In
den vierziger und fünfziger Jahren experimentierte der Wissenschaftler
Gray Walter mit einem elektronischen Stroboskop in Kombination mit
EEG-Instrumenten zur Messung der Gehirnwellen. Die geschlossenen Augen
seiner Versuchspersonen wurden hierbei mit rhythmischen Lichtblitzen in
Frequenzen zwischen zehn und fünfundzwanzig Blitzen pro Sekunde
bestrahlt. Zu seiner Überraschung schien das Flackern die
Gehirnwellentätigkeit des gesamten Kortex - nicht nur die für das Sehen
zuständigen Bereiche - dahingehend zu verändern, dass sich die
Gehirnfrequenzen der Probanden der jeweiligen Stimulationsfrequenz
anpassten. Seine Versuchspersonen berichteten dabei von Visionen von
Kometen, überirdischen Farben sowie von Farben geistiger, nicht
visueller Art.
Im Laufe der sechziger Jahre wuchs das
wissenschaftliche Interesse an dem Flackereffekt, aber erst Anfang bis
Mitte der siebziger Jahre kam es zu einen großen Aufschwung, als
plötzlich reihenweise überall auf der Welt unabhängige Studien zu
diesem Phänomen durchgeführt wurden und wiederholt bestätigt wurde,
dass rhythmisch blitzende Lichter eine rasch eintretende
Resonanzwirkung auf Gehirnwellen hatten. Außerdem kamen die Forscher zu
dem überraschenden und aufregenden Ergebnis, dass man mit der
photischen Stimulation ein Werkzeug zur Verbesserung der Funktionen von
Geist und Körper zur Verfügung hatte. Unabhängig voneinander entdeckten
mehrere Forscher, dass
-
Personen, die derart stimuliert worden waren, über einen langanhaltenden und substantiellen Rückgang ihrer Ängste berichteten,
-
das blinkende Licht in eben diesen Frequenzen in den Versuchspersonen
einen Zustand tiefer körperlicher Entspannung und geistiger Klarheit
auslöste,
-
man durch photische Stimulation das Gehirn in der Modifizierung seiner EEG-Frequenzen trainieren konnte,
-
sich nach solch einem Training die verbale Ausdrucksfähigkeit der
Versuchspersonen und ihre verbalen Leistungen bei Intelligenztests
erhöhten,
-
auf bestimmten Frequenzen (wieder im Alpha- und Thetabereich) das
blinkende Licht die Hypnotisierbarkeit und die Empfänglichkeit für
Suggestionen bei den Testpersonen erhöhte,
-
flackernde Lichter die beiden Hemisphären des Gehirns in einen Zustand größerer Kohärenz und Synchronisation bringen konnten,
-
eine derartige Kohärenz zwischen den Hemisphären in Beziehung zu verbesserten intellektuellen Funktionen steht,
-
bei Kindern bis zum Alter von vierzehn Jahren die am häufigsten
erzeugten Frequenzen im Thetabereich liegen, bei Erwachsenen hingegen
im Betabereich. Das bedeutet, dass der Prozentsatz von Thetawellen mit
dem Alter abnimmt, während die Menge an Betawellen steigt. Indem man
nun die Gehirnwellen eines Erwachsenen im Thetabereich anregt, kann der
Erwachsene zu einem freieren, eher kindlichen Geisteszustand
zurückkehren, der sich durch lebhaftes und spontanes geistiges
Bilderleben und phantasievolles, kreatives Denken auszeichnet. Moderne
Studien bilden die Grundlage zu der These, dass Thetawellen direkt mit
der Ausbildung neuer Synapsen in Zusammenhang stehen.
Geschichte der auditiven Stimulation
Während sich die
einen Wissenschaftler also mit der visuellen Stimulation beschäftigten,
kam durch andere nun noch die Erforschung der auditiven Stimulation
hinzu. Zunächst beschränkte sich die auditive Stimulation lediglich auf
rhythmische Klangimpulse. Ähnlich wie bei der visuellen Stimulation
stellte sich hierbei heraus, dass das Gehirn dabei mit erhöhter
Gehirnwellenaktivität auf der entsprechenden Frequenz reagiert und dass
die beiden Gehirnhälften in einen Zustand größerer hemisphärischer
Kohärenz und Synchronisation gebracht wurden.
Der Biophysiker
Dr. Gerald Oster entdeckte 1973, dass sich die Gehirnwellenaktivität
auch insofern beeinflussen lässt, indem man beide Ohren getrennt mit
Tönen verschiedener Frequenz beschallt. Kombiniert man zwei auf
unterschiedliche Frequenzen eingestellte Oszillatoren und schickt ihre
Signale
durch einen oder auch zwei getrennte (so dass sie sich
erst in der Luft vermischen) Lautsprecher, dann erzeugen sie eine sehr
regelmäßige Interferenzschwingung, die man sowohl mit beiden, aber auch
mit einem Ohr wahrnehmen kann. Diese Signale nannte er monaurikulare
Schwingungen. Ein ganz anderes Phänomen jedoch entsteht, wenn man
Stereokopfhörer benutzt und die Signale den beiden Ohren getrennt
zuführt. Auch dann nimmt man unter bestimmten Umständen rhythmische
Schwingungen wahr, die sich allerdings deutlich von den monaurikularen
unterscheiden. Diese Signale nannte er binaurikulare Schwingungen. Sie
erfordern die kombinierte Tätigkeit beider Ohren und entstehen als
Folge der Interaktion von Wahrnehmungen im Gehirn. Im Inneren des
Gehirns vermischen sich die Töne so, dass eine binaurikulare Schwingung
entsteht. Die Gehirnwellen werden dabei an den Rhythmus der Schwingung
gekoppelt und beginnen entsprechend dem Unterschied der beiden
Ausgangsfrequenzen zu schwingen.
Stimuliert man also das rechte
Ohr beispielsweise mit einem konstanten und gleichmäßigen Ton von 400
Hz und das linke mit einem konstanten Ton von 410 Hz, so entsteht im
Gehirn eine binaurikulare Schwingung von 10 Hz, in diesem Fall also
eine Frequenz im Alpha-Bereich. Das Gehirn reagiert mit einer
entsprechenden Frequenzfolgereaktion.
Der Forscher Robert Monroe
entdeckte darüber hinaus, dass die Frequenzfolgereaktion nicht etwa nur
in dem für das Hören zuständigen Gehirnbereich auftrat oder nur in der
linken oder rechten Hemisphäre. Vielmehr schwang das gesamte Gehirn
mit, die Wellenformen beider Hemisphären wurden identisch in Bezug auf
Frequenz, Amplitude, Phase und Kohärenz. Monroe hatte eine Technik zur
Erzeugung von Hemisphärensynchronisation entdeckt. Seine Probanden
berichteten beispielsweise nach den Tests der Stimulierung im
Theta-Bereich übereinstimmend von allen mentalen Phänomenen, die dem
Theta-Zustand zugerechnet werden: lebhaftes hypnagoges Bilderleben,
schöpferische Gedanken, integrative Erfahrungen und spontane
Erinnerungsbilder. Weiterhin führte die Stimulation im Beta-Bereich zu
wacher Aufmerksamkeit und Konzentration. Monroe ließ sich dieses
Verfahren patentieren und nannte es HemiSync. HemiSync wird heute
weltweit zu therapeutischen Zwecken sowie zur Selbsthilfe eingesetzt.
Was
die Wissenschaftler der modernen Zeit scheinbar neu entdeckt haben,
wird von Medizinmännern und Schamanen der Stammesvölker schon seit
tausenden von Jahren genutzt. Der rhythmische Klang der Trommel ist ein
grundlegendes Instrument zur Auslösung und Aufrechterhaltung des
schamanischen Bewusstseinszustands. Bei der Untersuchung der Auswirkung
des regelmäßigen, monotonen Trommelschlags auf die EEG-Muster stellte
der Forscher Andrew Neher fest, dass rhythmische Schläge die
Gehirnwellentätigkeit geradezu dramatisch verändern. Andere Beobachter
schamanischer Rituale haben festgestellt, dass während der
Initiationsriten Trommelschlagfrequenzen im Theta-Bereich vorherrschten.
Die audiovisuelle Stimulation als Synthese auditiver und visueller Stimulation
Weitere
Forschungen bestätigten die Vermutung, dass wenn sowohl flackerndes
Licht als auch pulsierende Klänge alleine genommen die
Gehirnwellenaktivität koppeln und die hemisphärische Synchronisation
verbessern konnten, eine Kombination von Klang- und Licht-Stimulation
diesen Effekt noch verstärken würde.
Auf der Basis der
Forschungserkenntnisse wurden die ersten audiovisuellen
Stimulationssysteme entwickelt. Ursprünglich gaben diese simple Ton-
und Lichtimpulse auf einer einstellbaren Frequenz ab oder das Programm
war in einem Chip gespeichert. Es war ein hervorragendes Medium
entstanden, um die Gehirnaktivität auf beliebigen Frequenzen anzuregen
und auf diese Weise damit einhergehende Geisteszustände bzw. kognitive
Funktionen zu fördern.
Die heute erhältlichen Systeme sind in
ihrer Entwicklung bereits weitaus fortgeschrittener und bieten neben
integrierten Programmen für die verschiedensten Anwendungsbereiche (z.
Bsp. Förderung von Entspannung, Konzentration, Auffassungsgabe,
Gedächtnisleistung, Vitalität, Wohlbefinden, Kreativität, Imagination,
Meditation, Trance, Schlaf, usw.) auch diverse weitere Features wie zum
Beispiel die Möglichkeit der Erstellung eigener Programme, die
interaktive Verwendung zusammen mit Biofeedbacksystemen oder den
Einsatz externer Stimulationsprogramme, die auf CD gespeichert sind.
Aktuelle Entwicklungen
Da
die reinen Licht- und Klang-Impulse auf viele Anwender nach kurzer Zeit
schon sehr monoton wirken, gingen manche Anbieter dazu über,
Entspannungsmusik mit der visuellen Stimulation zu kombinieren, um die
Sitzungen interessanter und unterhaltsamer zu gestalten. Hierbei trat
jedoch das Problem auf, dass die Lichtimpulse nicht synchron zur Musik
waren, was eher Irritation als Entspannung erzeugte.
Erst das am
Bodensee ansässige Tamas Laboratorium löste dieses Problem mittels
eines patentierten Verfahrens (AudioStrobe), welches die optischen
Impulse mit der Musik synchronisiert und sie zusammen auf einem
externen Speichermedium wie der CD festhält. Die hierfür verwendete
Musik bedient sich darüber hinaus auch häufig des HemiSync-Verfahrens.
Die Lichtsignale können dabei mit sehr feinen Veränderungen
programmiert werden und der Effekt ist verblüffend! Vor dem inneren
Auge erscheint eine Welt von phantastischen Farben und Figuren, die
sich im Spiel mit den wechselnden Klängen der Musik bewegen, welche so
an unglaublicher Plastizität gewinnt. Töne bekommen Konsistenz und
Farbe - bewegen sich und formen unzählige Mandalas, die
stroboskopähnlich verändernd in eine neue Dimension des audiovisuellen
Kunsterlebens einladen. Die AudioStrobe-Technologie stellt somit nicht
nur eine Weiterentwicklung der audiovisuellen Stimulation sondern
außerdem ein Medium für ein synästhetisches Musikerleben dar. Nach
Aussage des Tamas Laboratoriums berichteten Probanden beispielsweise
folgendes:
-
"Man ist in eine andere Welt versunken, gelöst. Ich habe an nichts
gedacht und war glücklich. Farben und Formen sind auf mich zugekommen.
Unbeschreiblich, Wahnsinn!"
-
"Ich fühlte mich so leicht und wie auf einer anderen Welt. Alles war so wunderschön."
-
"Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten, mich zu entspannen, da meine
Augen zitterten. Danach sah ich Kreise, Spiralen und Wellen in allen
Farben und Formen. Es war ein sehr angenehmes, warmes Gefühl. Dieses
Empfinden floß durch den ganzen Körper. Zum Schluß hatte ich das
Gefühl, im tiefen Wasser angenehm umspült zu schweben."
-
"Ich hatte den Eindruck, durch das Weltall zu fliegen. Genau so hätte
ich mir immer einen Trip durch das All vorgestellt. Die Sterne, Sonnen
und alles war irgendwie real und wunderschön."
-
"Ganz toll. Als ob man träumen würde. Total angenehm, relaxed."
-
"Es war ein wunderbares Erlebnis, das man nicht so schnell wieder
erlebt. Es bildete sich in meinen Gedanken ein großer Schmetterling,
der über eine prachtvolle Blumenwiese flog."
-
"Zuerst versuchte ich zu starten, aber dann entschloß ich mich zu
fliegen. Ich flog über einen Dschungel, dann übers Meer. Ich war frei
wie ein Adler. Dann durch die Wolken - immer weiter und weiter. Dann
sah ich wieder das Meer. Manchmal flog ich schnell, manchmal langsam.
Ich war frei!"
-
"Es war ein sehr entspanntes Gefühl, wie plötzlich in einer anderen
Welt zu leben. Ein Farbenspiel und Grafiken aller Art. Man stellt sich
die schönsten Dinge vor und schöne Erinnerungen der Vergangenheit
kommen zum Vorschein. Es war ein wunderschönes Erlebnis!"
Eine überraschende Beobachtung bei der AudioStrobe-Stimulation war
jedoch, dass die Intensität des Erlebens nicht zwangsläufig dem Modell
der "Frequenzfolgereaktion" entspricht, sondern dass die
synchronisierten Wechsel der Lichtimpulse zu der Musik die besondere
Vielfalt der sensorischen Eindrücke zu unterstützen scheint. Vermutlich
ist der Schlüssel zu diesem Phänomen die Verwandschaft des durch die
AudioStrobe-Stimulation induzierten Bewussteinszustandes mit dem
REM-Schlaf.
Gehirnwellenuntersuchungen von Probanden zeigten,
dass wenn diese über traumähnliche Erfahrungen während der
AudioStrobe-Stimulation berichteten, gleichzeitig Alpha, aber auch
verstärkte Beta- und Theta-Aktivitäten auftraten. Die beiden letzteren
sind für den REM-Schlaf charakteristisch. Der immer noch vorhandene
Alpha-Anteil könnte von dem "Wachzustand im Traum" herrühren. Einige
Probanden berichteten von Zuständen, die an das luzide Träumen
erinnern, in welchem man sich darüber bewusst ist, dass man träumt.
Neben
den vielen Möglichkeiten zur Unterhaltung, Entspannung, Superlearning
und zur Therapieunterstützung eröffnen sich durch die
AudioStrobe-Technologie gleichzeitig neue Perspektiven für die
Selbstentdeckung. Die oft abstrakten Muster oder die eigenen
Erinnerungen und Visualisierungen sind nur ein Vorspiel, wie ein sich
immer wieder verändernder Vorhang eines Theaters. Hinter diesen bunten
Bildern kann man tiefere Schichten der Wahrnehmung erreichen, nicht
selten begleitet von außergewöhnlichen Erfahrungen.
Inzwischen
hat das Tamas Laboratorium bereits über 30 AudioStrobe-CDs für die
verschiedensten Anwendungsbereiche entwickelt. Dem Anwender stehen
hierbei Programme für Entspannung und Streßreduktion, Ausgeglichenheit
und Vitalität, geistige Fitness und Konzentration, Kreativität und
Phantasie sowie Meditation und inneres Erleben zur Verfügung.
Eine
der aktuellsten Entwicklung im Bereich der audiovisuellen Stimulation
ist die Hinzuziehung der synchronen, taktilen Stimulation als dritte
Stimulationskomponente. Die Entwicklung eines entsprechenden Systems
(MuSES = Multi Sensory Enhancement System) fand im Rahmen einer
internationalen Zusammenarbeit statt. Die taktile Stimulation erfolgt
hierbei in Form von Infraschallvibrationswellen, welche sich - ähnlich
wie bei der Klangmassage – im ganzen Körper ausbreiten.
Das
MuSES nutzt im Gegensatz zu herkömmlichen Massagesesseln spezielle
Klangmassage-Einheiten. Herkömmliche Massagesessel arbeiten mit Motoren
und Massageköpfen und können in ihrer Wirkung daher lediglich die obere
Muskelschicht erreichen. Außerdem ist es mittels Motorentechnik nicht
möglich, die Massage mit den Lichtimpulsen und der Musik zu
synchronisieren. Die Klangmassage-Einheiten hingegen erzeugen
Vibrationswellen im Infraschall-Bereich, die den ganzen Körper
durchdringen und auf diese Weise zu einer tieferen Entspannung führen,
als dies mit herkömmlichen Massagetechnologien möglich ist. Ferner ist
die Massage aufgrund der verwendeten Klangmassage-Einheiten synchron zu
Licht und Sound, da die Impulse für die Vibrationswellen von der
AudioStrobe-CD abgelesen werden oder von einem angeschlossenen
audiovisuellen Stimulationssystem gesteuert werden.
Weiterhin
ist die Einsatzmöglichkeit der externen Biofeedback-Kontrolle als
aktuelle Entwicklung im Bereich der AVS zu erwähnen. Hierbei wird das
audiovisuelle Stimulationssystem mit einem Biofeedbacksystem verbunden,
welches über entsprechende Sensoren bestimmte psychophysiologische
Werte des Anwenders erfasst. Diese Werte werden in Echtzeit an das
Stimulationssystem weitergeleitet, welches hinsichtlich des
Programmablaufs auf diese Werte reagiert. Die Stimulationsprogramme
gewinnen dadurch an Dynamik, laufen nicht nach einem vorbestimmten
Muster ab, sondern verändern ihre Parameter entsprechend der gemessenen
Werte. Die externe Biofeedback-Kontrolle ermöglicht somit den Einsatz
psychointeraktiver AVS-Sitzungen, denn die psychophysiologische
Reaktion des Anwenders auf das Stimulationsprogramm wird in Echtzeit an
das Stimulationssystem zurückgemeldet, welches durch entsprechende
Veränderung des Programmablaufs darauf reagiert. Auf diese Weise
entsteht eine interaktive Schleife von Reiz–Reaktions–Folgen. Eine
solche Anwendungsmöglichkeit bietet beispielsweise die Kombination des
Proteus mit dem ThoughtStream, welche die psychogalvanische Reaktion
des elektrischen Hautwiderstands als Feedback-Parameter nutzt.
Zur
Vertiefung in die Thematik der audiovisuellen Stimulation -
insbesondere in Hinblick auf bereits erfolgte Forschungsarbeiten
hinsichtlich praxisbezogener Anwendungen - empfehle ich den Beitrag
„Einschalten zum Abschalten“ von Dr. Klaus-Jürgen Landeck, erschienen
in RAABE Fachverlag für Wissenschaftsinformation (Hrsg.): Handbuch
Hochschullehre, Bonn 1996.
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